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Peru - Land und Geschichte

Die Quelle des nachfolgenden Textes ist unbekannt, da nur eine Kopie ohne Quellenangabe vorlag. Sollte die Quelle in Erfahrung gebracht werden können, wird sie umgehend auf der Website veröffentlicht.

 
Die sog. Andenrepublik Peru liegt südlich des Äquators, sie bedeckt eine Fläche von 1.285.216 qkm. Die Hauptstadt von Peru ist Lima mit etwa 8 Millionen Einwohnern. In Peru leben heute etwa 24 Millionen Menschen. 12 Prozent davon sind Weiße, 50 Prozent Indios, 35 Prozent Mestizen und 2 Prozent Neger und Mulatten. Das Bevölkerungswachstum beträgt etwa 2.5 Prozent Über die Hälfte der Einwohner Perus ist jünger als 15 Jahre.

Die Staatssprache ist Spanisch. Die Indios sprechen überwiegend Ketschua, das zur Zeit der Inkas im ganzen Reich gesprochen wurde.

Das Land gliedert sich in drei Zonen, die sich über das ganze Land von Norden nach Süden erstrecken: Das Küstenland im Westen, das andine Hochland in der Mitte und der tropische Urwald im Osten.

Das Küstenland (Costa) ist heiß und trocken, teilweise ist es wüstenhaft. Die Trockenheit des Küstenlandes ist eine Folge des Humboldtstromes, der von der Antarktis küstennah nach Norden fließt. Bereits über dem kalten Wasser regnen die tiefen Wolkenschichten ab, das Küstenland erhält daher nur gelegentlich Regen. Die Costa wird häufig mit den Wüsten Atacama in Chile und Namib in Südwestafrika verglichen, weil auch hier kalte Küstenwasser die Ursache für das trockene Klima sind. Dank des Humboldtstromes sind die Küstengewässer sehr fischreich. Ackerbau ist nur in Flußtälern und auf künstlich bewässertem Boden möglich.

In den Flußtälern bildeten sich die Zentren der altperuanischen Küstenkultur heraus durchaus vergleichbar mit Ägypten und Mesopotamien. Berühmt sind die riesigen Scharrbilder im Sand von Nazca im Süden von Peru, die Däniken in seinem Buch „Zurück in die Zukunft" als Landebahnen von Göttern beschrieb. Das Gegenstück zur Nasca-Kultur ist im Norden die Moche-Kultur, benannt nach der Ortschaft Moche in der Nähe von Trujillo. Die Blütezeit der Moche-Kultur lag im ersten nachchristlichen Jahrhundert. Die jüngsten archäologischen Funde in den Pyramiden im Norden von Peru, in Sipan und Tucume, wo seit Jahren Thor Heyerdahl, weltbekannt durch sein Unternehmen Kon-Tiki, lebt und forscht, erregten weltweit Aufsehen. Das Fürstengrab des sog. "Herr von Sipan" wird in seiner Bedeutung für die südamerikanischen Hochkulturen mit dem Grab des Tutenchamun verglichen. In Tucume ist im März 1992 ein Relief augegraben worden, das die Vermutung von Heyerdahl stützt, der zufolge die „alten Peruaner" mindestens so gute Seefahrer wie die Spanier zur Zeit des Kolumbus waren.

Die Moche werden gelegentlich auch als die Ahnen der Inka bezeichnet. Ihre Kultur erlebte in der Chimu-Kultur, deren Blüte in die Mitte des 15. Jahrhunderts fällt, eine gewisse Renaissance. Chanchan, die Hauptstadt des Reiches der Chimu, die nach 1471 von dem Inka Tupac Yupanqui (1471 - 1493) erobert wurde, hatte damals rund 250.000 Einwohner. Zum Vergleich: Köln, damals die größte deutsche Stadt, hatte zur gleichen Zeit nur knapp 30.000 Einwohner!

210 km nördlich von Lima liegt an der Küste die Tempelfestung Paramonga. Francisco Pizarro, der spanische Eroberer von Peru, fand die Festung noch voll erhalten vor. Eine Wasserleitung führte bis zum höchsten Punkt der Festung, die Räume waren gut gebaut und bemalt ein wahres Wunderwerk des Festungsbaus. Von den grausamen Entscheidungskämpfen zwischen Tupac Yupanqui und dem letzten Chimu-Herrscher, die hier stattfanden, zeugt noch heute ein riesiges Gräberfeld.

Das Andenhochland (Altiplano) Die Gebirgsketten der Anden erreichen im Norden und Süden von Peru Höhen von über 6.500 m (Iluascaran 6768 n i). Sie schließen ein Hochbecken, den Altiplano mit seinen Kältesteppen, ein. Ganz im Süden des peruanischen Altiplano liegt auch der Titicacasee, mit rund 6.500 qkm der höchste schiffbare See der Erde.

In den kalten und baumlosen Höhenlagen bestimmen weidende Lamaherden und einsame Hirten, in bunte Ponchos gekleidet, das Bild. Intensiver Ackerbau, zum Teil noch auf Terrassenfeldern aus der Inkazeit, wird in den geschützten Tälern getrieben. Das Hochland ist dünn besiedelt und im Vergleich zum Küstenland weit weniger entwickelt. Viele verlassen aus diesem Grunde, aber auch wegen der Bedrohung durch die Terrororganisation Sendern Luminoso (Der Leuchtende Pfad) das unwirtliche Hochland und wandern in die Küstenstädte, vor allem nach Lima, ab.

Vom Titicacasee soll um das Jahr 1200 Manco Capac, der erste Inka, mit einem kleinen Anhang in die Gegend von Cusco gezogen sein. Von Cusco aus haben die Inka - bis zum Auftauchen der Spanier haben insgesamt nur dreizehn Inka geherrscht - ein Weltreich erobert. Im Hochland liegen auch die Städte, die eng mit dem Untergang des Inkareiches verbunden sind: Die Reichshauptstadt Cusco, Machu Picchu, die „Stadt in den Wolken" in der Nähe von Cusco und schließlich Cajamarca im Norden von Peru.

Der Tropenwald (Amazonasbecken) Nach Osten senkt sich das Hochland zum Amazonasbecken mit seinen tropischen Wäldern. Dieses Waldgebiet war stets ein Hinterland zu den Kulturzentren der Küstenzone und des Andenhochlandes. Auch heute ist das Waldgebiet nur dünn besiedelt und verkehrsmäßig kaum erschlossen.

 
Kolumbus und 500 Jahre danach

Am 12. Oktober 1492 betrat Christoph Kolumbus erstmals amerikanischen Boden. Nur eine Generation später rafften sich die Spanier in wenigen Jahren ein riesiges Weltreich zusammen: Hernan Cortes eroberte 1519 - 1521 das Reich der Azteken, aus dem Mexiko hervorgegangen ist, und Francisco Pizarro eroberte 1531 - 1533 das Reich der Inka, das den größten Teil der heutigen Länder Ecuador, Peru und Bolivien sowie Teile von Argentinien und Chile umfasste.

Der indianische Chronist Felipe Guaman Poma de Ayala beschreibt in „El primer nueva coronica y buen gobierno" (1614), wie die Spanier im Zeichen des Kreuzes, stets auf der Suche nach Gold, ohne Gnade das Land eroberten. Zwei Zitate aus dem Codex Florentino: „Wie im Traum marschierten wir durch diese Herrlichkeiten" – „Wie Affen griffen sie nach dem Gold".

Das Zusammentreffen spanischer Konquistadoren mit den Menschen der mittel- und südamerikanischen Hochkulturen ist eine Begegnung, die mit einer uns auch heute noch unvorstellbaren und in der Geschichte wohl einmaligen Katastrophe endete. Es wurden nicht nur ganze Kulturen vernichtet: Im 16. Jahrhundert starben allein in Mexiko 25 Millionen, in ganz Amerika 70 Millionen Menschen, neun Zehntel der Bevölkerung, infolge der spanischen Landnahme - sie wurden ermordet, in den Bergwerken zu Tode geschunden, verhungerten oder wurden Opfer des "Mikrobenschocks" (Tzvetan Todorov: Die Eroberung Amerikas. Das Problem des Anderen. Suhrkamp Verlag). Grippe, Scharlach, Tuberkulose und Pocken waren bis zur Ankunft der Spanier in Amerika unbekannt, daher hatten die Körper der Indios gegen diese Krankheiten auch keine Abwehrstoffe entwickelt.

Für die Geschichte Perus zur Zeit der spanischen Eroberung stehen symbolisch drei Städte: Cusco, Cajamarca und Machu Picchu.

Cusco, die Hauptstadt des Inkareiches, war geschmückt mit großen gold- und silberverkleideten Tempeln und Palästen und umgeben von zahlreichen Heiligtümern und Festungen. Die Festung Sacsayhuaman ist wegen ihrer gewaltigen Mauern mit den ägyptischen Pyramiden verglichen worden, 30.000 Indios sollen 70 Jahre lang ununterbrochen mit ihrem Bau beschäftigt gewesen sein! Die Spanier haben Cusco, so gut sie es konnten, zerstört. Von der einstigen Pracht sind nur die berühmten fugenlosen Mauern geblieben.

In Cajamarca begegneten sich die spanischen Konquistadoren unter Francisco Pizarro und Atahualpa, der letzte freie Inka, zum ersten Mal. Mit Täuschung und Betrug erreichten die Spanier die Gefangennahme des von einem starken Heer begleiteten gottgleichen Inka.

Atahualpa beschaffte zwar das für seine Freilassung vereinbarte Lösegeld in Form einer unvorstellbar großen Menge Goldes, aber die Spanier haben ihn trotzdem unter dem Vorwand der Gotteslästerung zum Tode durch Erdrosseln verurteilt. Sie haben ihm Verbrennen, die für einen Inka schlimmste Strafe, angedroht, falls er die Taufe verweigere. Sie haben ihn getauft, öffentlich erdrosselt und anschließend kirchlich beerdigt! Der Kerker Atahualpas (Cuarto del Rescate) mit der berühmten roten Linie, bis zu deren Höhe der große Raum mit Gold als vereinbartes Lösegeld zu füllen war, erinnert an die Habgier und die Verbrechen der spanischen Eroberer in Cajamarca.

Durch die schmähliche Hinrichtung des gottgleichen Inka wurde das Reich tief erschüttert. Der Marsch der Spanier nach Cusco zur endgültigen Zerstörung des Inkareiches konnte nun gewagt werden.

Über Machu Picchu, heute die berühmteste Ruine des amerikanischen Kontinents, liegt ein Hauch von stiller Trauer. Hierhin zogen sich die letzten Inka mit ihren Getreuen zurück, nachdem ihre Hauptstadt Cusco erobert und zerstört worden war, und von hier sind sie irgendwann ins Dunkel der Geschichte verschwunden. Machu Picchu wurde von den Spaniern trotz intensiver Suche, weil von hier aus bis zum gewaltsamen Tod des letzten Inkafürsten Tupac Amaru (1781) Überfälle auf die Spanier ausgingen, nie entdeckt. Machu Picchu wurde erst 1911 von einem Amerikaner (Hiram Bingham) wiederaufgefunden.

Das Land und die Geschichte Perus sind viel großartiger und komplexer als es hier dargestellt werden konnte. Unsere Sympathie für die Menschen und das Land verstellt uns nicht den Blick für die Geschichte Perus. Eine kleine Schar Spanier konnte das Großreich erobern, weil es sich durch einen äußerst blutigen Erbfolgekrieg zwischen Huascar und seinem Halbbruder Atahualpa erschöpft hatte. Von schätzungsweise 12 Millionen Indios waren in diesem Krieg etwa 2 Millionen erschlagen worden! Ausgerechnet am Ende dieses Krieges drangen die Spanier in das darniederliegende Reich der Inka ein. Viele der von den Inka unterworfenen Völkerschaften standen gegen die Unterdrücker auf und unterstützen willig die Spanier durch Späher, Krieger und Träger bei deren Vormarsch.

Auch die berühmten Reichsstraßen der Inka waren keine Handelswege, sondern Heerstraßen. Zur Unterwerfung benachbarter Völker und zur Unterdrückung von Aufständen konnten die Inka ein Heer von 200.000 Kriegern schnell über Tausende von Kilometern gut gebauter Straßen bewegen; allein die Versorgung dieser Kriegerscharen ist eine logistische Leistung, der das damalige Europa nichts Vergleichbares entgegensetzen konnte! Die gern gepflegte Vorstellung von den Frieden und soziale Gerechtigkeit liebenden Inkakönigen hat mit der Wirklichkeit wenig zu tun. Trotzdem sind die Verbrechen der spanischen Konquistadoren nicht entschuldbar!

Diese kurze Einführung in das Land und seine Geschichte liefert aber bereits genügend Materialien, die Grundforderung partnerschaftlicher Entwicklungszusammenarbeit in Peru etwas konkreter zu analysieren. Denn es geht nicht nur um Gerechtigkeit für die Vergangenheit, sondern um Gerechtigkeit heute und morgen. Es geht darum, dass wir bewusst teilen und Benachteiligten etwas von unserem Uberfluß abgeben. Es geht darum, dass wir mit Augenmaß und Respekt Benachteiligten und Unterdrückten helfen, ihre Würde wiederzugewinnen. Was aber heißt das?

Doch wohl zunächst die Aufforderung an uns alle, möglichst nicht nur die vordergründigen politischen und wirtschaftlichen, sondern auch die geographischen und historischen Hintergründe der heutigen Lage in Peru bei der Erarbeitung eines Konzeptes für eine partnerschaftliche Entwicklungszusammenarbeit zu berücksichtigen. Wir dürfen nicht in den Fehler verfallen, unsere peruanischen Partner zu neuen Europäern „umzuentwickeln". Wir müssen wieder zu den Wurzeln indianischer Kultur zurück, wenn wir von der Würde der Indios sprechen.

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